Kolumne 06/2011

Stoppt die Musik! Ich will reden!

Sind Sie auch schon taub oder haben die Stimme verloren? Nach all den musikbelästigten Veranstaltungen, die Sie in letzter Zeit besucht haben? Von Frank-und-Frei

Ich liebe Musik. Von Klassik über Musicals, Schlager, Jazz, (Austro-)Pop. Naja, zugegeben, bei Heavy Metal hält sich meine Begeisterung etwas in Grenzen.

Die Firma »SE – Stets Erfolgreich« feiert ihr 10-jähriges Jubiläum und lädt in ihre Räumlichkeiten ein. Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter, Freunde des Hauses. Viele kennen sich und freuen sich auf einen regen Austausch, auf interessante Inputs und neue Kontakte. Für die Mitarbeiter des Unternehmens ist es wichtig, mit den Kunden zu sprechen, um Wünsche, Schwierigkeiten und spezielle Bedürfnisse zu erfahren. Wie immer bei Business-Einladungen: Geschäft und Vergnügen sollen konstruktiv verbunden werden.

Die Idee ist gut – die Durchführung einfach schlecht: Der Veranstalter hat, als besonderes Zuckerl für seine Gäste, eine dreiköpfige Jazz-Band engagiert, die den Abend musikalisch begleiten soll. Eine dreiköpfige Jazzband auf rund 100 Quadratmetern!!! Hilfe, mir platzt gleich das Trommelfell!

Um es kurz zu machen – der Abend war genau deswegen ein Fiasko. Man verstand sein eigenes Wort nicht, von einem verbalen Austausch keine Rede. In den kurzen Pausen der Musiker erkannte man, wie angenehm es sein könnte. Die Gäste aßen rasch und verließen die Stätte des Lärms. Gut gemeint vom Veranstalter, jedoch, wir wissen, gut gemeint ist mitunter das Gegenteil von gut.

Anderer Schauplatz, selbes Problem: ein Weinkeller in einem wunderschönen, alten Kellergewölbe, sehr stimmungsvoll. Es wird ein Firmenfest gefeiert, rund 15 Personen sind eingeladen, die sich auf das Treffen freuen und Gedanken austauschen wollen. Die einfach schwatzen wollen! Auf Grund des alten, dicken Steingewölbes hallt allerdings jedes Wort, jedes Lachen doppelt so laut. Der Lärmpegel ist schon durch die Gespräche hoch. Zur Unterhaltung ist ein Akkordeonspieler engagiert. Als er loslegt, sind mit einem Schlag alle Gespräche gezwungenermaßen zu Ende. Zu guter Letzt wird der Musiker gebeten, sich zurückzuziehen. Wieder – gut gemeint vom Gastgeber. Ja, ich weiß, die Musikuntermalung ist ein zweischneidiges Schwert – der Veranstalter, der Gastgeber will den Gästen etwas Gutes tun und erreicht leider – in vielen Fällen – das Gegenteil. Unmut, Unbehagen, letztendlich Flucht. Schade um den Abend. Sobald man dem Nachbarn ins Ohr schreien muss, um ihm etwas mitzuteilen und dieser bloß Bruchstücke versteht, hört sich jegliche Freude und das Interesse am anderen und der Kommunikation auf. Man will nur weg.

Mein Vorschlag an alle musikverliebten Veranstalter: Wie wäre es mit »Step by Step« – Vorspeise und Getränke, dann die Begrüßungsrede, danach kurzes (!) Musikprogramm, und jetzt: Lasst uns feiern, essen, trinken, austauschen, netzwerken! danke, liebe Gastgeber, ich werde den Abend in wunderschöner Erinnerung behalten.

Dass wir auch in Kaufhäusern, Arztpraxen, Lokalen usw. permanent mit Musik zwangsbeglückt werden, ja, das ist eine andere Geschichte …

http://www.hoerstadt.at/beschallungsfrei/gegen_zwangsbeschallung.html

Ihr frankundfrei@magazintraining.com

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