Management: Resilienz

Stehauf-Qualitäten für turbulente Zeiten

Positive Entwicklung durch Stress und Turbulenzen oder Endstation Burn-out?
Dr. Günter Lueger erklärt das Resilienz-Phänomen im Gespräch mit Oliver Pascherer.

Manche Menschen zerbrechen daran und brennen aus: an Krisen, enormem Stress, Turbulenzen oder schwierigen Zeiten. Andere hingegen bewältigen widrigste Umstände und lernen sogar noch daraus. Letztere sehen oft sogar in Misserfolgen und Rückschlägen Chancen und ein »notwendiges« Übel bzw. eine Erfahrung, um die man nicht herumkommt. Sie nutzen diese für Lernen und rüsten sich so für die Zukunft. So entwickeln diese Menschen eine »Stehauf-Menschen«-Qualität, die sie durch turbulente Zeiten trägt.

»Resilienz heißt das Phänomen, das – in Zeiten wie diesen – für die betriebliche Kompetenzentwicklung zum Schlüsselfaktor wird«, sagt Mag. Dr. Günter Lueger, Gründer und Leiter des Solution Management Centers.

Hintergrund des Resilienz-Phänomens ist eine recht einfache Beobachtung, die man jeden Tag in seiner Umgebung machen kann: Was unterscheidet Personen und Mitarbeiter, die hohen Stress und Turbulenzen einschließlich Krisen gut bewältigen von denjenigen, die von solchen enormen Belastungen hinuntergezogen werden und im Burn-out landen?

Lueger: »Es sind konkrete Verhaltensweisen, die resiliente Personen aufweisen. Die gute Nachricht dabei ist, dass dieses Verhalten auch gelernt werden kann.«

Was konkret machen resiliente Persönlichkeiten anders? »Akzeptanz der schwierigen Situation statt Ankämpfen«, erklärt Günter Lueger. »Das Ankämpfen gegen Widrigkeiten ist zwar verständlich, erhöht aber den Leidensdruck (warum habe gerade ich diesen fürchterlichen Chef). Akzeptiert man, dass es so ist und akzeptiert die Situation (es ist halt so, dass mein Kollege den Job bekommen hat und nicht ich), so wird Energie für den Umgang damit frei.«

Natürlich machen die Firma, der tobende Chef, die schwierigen Kollegen, die Kündigung oder eine unglückliche Beziehung einem zu schaffen. Aber die entscheidenden Fragen sind, laut Lueger, wie man selber damit zurechtkommt, wo man (kleine) eigene Handlungsspielräume findet. Und ob es gelingt, das Unglück loszulassen.

Das Positive im Negativen finden

Resiliente Menschen entwickeln in schwierigen Situationen Optimismus. Lueger: »Man muss nur die Tatsache im Auge behalten, dass auch in frustigen Zeiten manche Dinge besser laufen und diese Aspekte stärker fokussieren, das führt noch zu keinem Hochgefühl, aber es schafft Optimismus. Wenn man alle Dinge problematisiert, so geraten viele dabei in eine ­Problemtrance (hat eh alles keinen Sinn). Greift man jedoch auf seine Erfahrungen aus schwierigen Situationen zurück, so findet man leichter Ansatzpunkte, um die Situation zu entspannen.« Resiliente Personen suchen die Unterstützung durch andere, vor allem auch außerhalb des widrigen Geschehens. Schon Gespräche alleine entlasten bekannter Maßen und andere bieten die Möglichkeit, Ideen für einen anderen Umgang zu entwickeln. »Der Regen von gestern macht nicht nass. Je eher es gelingt, das Unangenehme vorbeiziehen zu lassen und in Richtung der nächsten Schritte zu denken, umso eher baut sich auch wieder Optimismus auf«, bringt Günter Lueger das Thema auf den Punkt.

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