Beyond Optimization

Beim 9. Corporate Culture Jam stand die Frage im Raum, wie Organisationen in Zukunft aussehen werden – und welche Rolle KI und Kultur dabei spielen.

Unter dem Leitthema »Beyond Optimization« lud SUCCUS Wirtschaftsforen am 12. Mai 2026 in den Glassalon Starlinger in Neuhaus an der Triesting. Rund um die Frage »Vom Organigramm zum Betriebssystem« diskutierten Entscheider aus Transformation, Kultur, Innovation, HR und Geschäftsführung, wie sich Unternehmen heute neu denken lassen. Durch den Tag führte Georg Wolfgang (Gründer und Geschäftsführer von Culturizer), mit interaktiven Jam-Sequenzen, in denen das Publikum Impulse reflektierte und in den eigenen Arbeitskontext übersetzte.

Hebel statt Selbstzweck

Den inhaltlichen Auftakt setzte Physiker und Keynote-Speaker Thomas Pisar mit einem Vortrag zu der Frage, wie der Mensch im Zentrum bleibt, wenn KI in Organisationen einzieht. Sein Ausgangspunkt: Künstliche Intelligenz ersetzt menschliche Intelligenz nicht, sie verändert aber das soziale Netz und das Betriebssystem einer Organisation grundlegend.

Lilith Brockhaus (Gründer und Geschäftsführer der VisualMakers aus Köln) baute darauf auf. Ihre Überzeugung: AI-First bedeutet Human First. KI kann mehr als Effizienz – richtig eingesetzt macht sie sichtbar, wo Organisationen ihrem eigenen Potenzial im Weg stehen. Quer durch alle KI-Beiträge zog sich eine gemeinsame Linie: Technologie wird dann zum strategischen Hebel, wenn sie Menschen befähigt, statt sie zu verdrängen.

Führung neu gedacht

Der zweite große Themenstrang widmete sich der Führung. Stefan Pfeffer (CFO und Mitgründer von Microtronics) plädierte gemeinsam mit Reingard Winter-Hager (systemische Kulturentwickler) für radikale Ehrlichkeit in der Transformation. »Des Kaisers neue Kleider« lautete der bewusst provokante Titel – mit der Botschaft, dass Führung dort wirksam wird, wo sie sich traut, Unangenehmes auszusprechen.

Einen Gegenentwurf zum klassischen Führungsverständnis lieferte Cihan Büyükari (q.beyond AG): Als People Lead zeigte er, wie geteilte Führung als anderes Betriebssystem im Alltag funktioniert. Er meinte damit also einerseits die administrative Führung und andererseits die menschliche Führung. Durch die Teilung kann sichergestellt werden, dass genug Zeit für beides bleibt. Für viele Zuhörer ein neuer Denkansatz.

Georg Zembacher von Toyota Tsusho Nexty Electronics Europe ergänzte mit einem Blick auf das gelebte Führungs-Operating-System bei Toyota – und machte deutlich, dass Kulturtransformation jenseits von Werte-Statements im konkreten Verhalten der Führungskräfte beginnt. Leopold Leonhartsberger (Bereichsleiter Baustoffe bei STRABAG) brachte die Quintessenz auf den Punkt: Ohne Vertrauen keine Transformation. Im RealTalk mit dem Unternehmer Gerhard Filzwieser zeigte sich, dass diese Wahrheit vom Mittelstand bis zum Großkonzern gilt.

Fazit

Was beim 9. Corporate Culture Jam deutlich wurde: Wer Organisationen heute weiterdenken will, kommt mit Optimierung allein nicht weiter. Das neue Betriebssystem entsteht aus dem Zusammenspiel von Technologie, Führung und Kultur – getragen von Werten, Beziehungen und der Bereitschaft, Gewohntes mutig zu hinterfragen. Die Mischung aus Keynotes, Praxisformaten und interaktiven Jam-Sequenzen, die offene Atmosphäre im Glassalon Starlinger und der Austausch auf Augenhöhe haben Inspiration und konkrete Anregungen für den Arbeitsalltag geboten.

Nächste Termine: Corporate Culture Jam

3. November 2026, Frankfurt
3. Juni 2027, Lindau
www.corporate-culture-jam.at