Zwischen Wellen, Witzen und Wow-Effekt: Ein Bühnenabenteuer auf einem schwankenden Schiff.
3 000 Passagiere, rund 1 200 Crewmitglieder, ein Theater mit Drehbühne, LED-Wänden, Lichtinstallationen und Hightech, von dem so mancher Stadtsaal nur träumen kann. Und ich mittendrin. Nicht als Entertainer, nicht als Teil eines fix gebuchten Showensembles, sondern als Vortragender. Oder genauer gesagt: als Experiment.
Denn eigentlich bin ich ja ein klassischer Vortragsredner mit meinem Herzensthema Humor. Dazu Arzt und Mitbegründer der CliniClowns. Auf dem Papier wurde ich im Vorfeld dieser Kreuzfahrt allerdings als »Lektor« angekündigt. Warum? Weil Sie mich mit meiner Performance nicht richtig einordnen konnten und weil man an Bord etwas Neues testen wollte: ein Infotainment-Format, das weder klassische Land-und-Leute-Vorträge noch reine Unterhaltung ist. Humor mit Inhalt. Lernen mit Leichtigkeit. Und das auf einem Premium-Kreuzfahrtschiff.
Kanaren, Kapverden und Kreativität auf See
Die Reise startete Ende November 2025 auf den Kanaren, führte über verschiedene Inseln dieser Region und ging in der zweiten Woche weiter zu den Kapverden. Meine Auftritte fanden an den Seetagen statt, also genau dann, wenn das Schiff nicht im Hafen liegt und sich das Bordleben auf Entertainment, Kulinarik und Freizeit konzentriert.
Ich hatte mich intensiv vorbereitet: Vier Vorträge zwischen 45 Minuten und einer Stunde waren geplant. Am Ende wurden es drei, der vierte fiel aus Zeitgründen weg, da ein anderes Entertainment-Highlight ungeplant noch zusätzlich an Bord war. Kreuzfahrtlogik eben.
Mir war von Anfang an klar: Das ist keine »Copy-Paste-Geschichte« aus meinem üblichen Auftrittsumfeld. Die Menschen sind im Urlaub. Sie wollen nicht mit neuen Erfolgs-Tools »belehrt« werden, sondern unterhalten. Also weniger Business-Inhalte, dafür mehr Geschichten, Beispiele aus dem Alltag, Tipps und Tricks, bei denen man schmunzeln und lachen kann und idealerweise etwas mitnimmt, das auch nach der Reise wirkt.
Bühne frei und zunächst einmal gähnende Leere …
Das Theater fasst rund tausend Personen. Beeindruckend. Was weniger beeindruckend ist: zehn Minuten vor Beginn sitzen zehn, vielleicht fünfzehn Menschen im Saal. Eine Handvoll in einem Riesentheater. Auch nach vielen Jahren Bühnenerfahrung flattert da kurz das Nervenkostüm. Wird das jetzt ein sehr exklusiver Vortrag für 25 Gäste, sprich – meine Definition für ein Desaster?
Die Antwort: Nein. Kreuzfahrt hat ihre eigenen Gesetze. In den letzten zehn Minuten vor Beginn füllte sich der Saal, und das bei allen drei Vorträgen auf durchschnittlich rund 750 Personen. Und dann war es da: dieses spezielle Kribbeln. Adrenalin trifft Vorfreude. Aufregend. Richtig cool. Und ja, auch ein bisschen »richtig geil«.
Humor, aber bitte mit Sahne – oder doch Schlagobers?
Das Publikum war fast ausschließlich deutschsprachig, zu etwa 95 % aus Deutschland, der Rest aus Österreich und der Schweiz. Sprachlich also kein Problem und der österreichische Charme, der österreichische Witz kamen sehr gut an.
Ich hatte mir im Vorfeld auch andere Gastkünstler angesehen: einen deutschen Comedian, einen Travestiekünstler. Professionell, routiniert, aber stellenweise doch sehr eindeutig zweideutig. Die Leute lachten, keine Frage. Für mich war aber klar: Tiefe Pointen unter der Gürtellinie sind nicht mein Verständnis von sympathischem Humor. Gerade wenn es um Heiterkeit, Leichtigkeit und Gesundheit geht, wollte ich meine innere Einstellung, Philosophie und den Zugang dazu nicht verlieren.
Ich habe auch jeden meiner Vorträge zielgruppenorientiert noch einmal angepasst. Manche komplexen Themen rausgenommen, ohne den Kern zu verändern. Ich habe neue Stories eingebaut und auch Überraschungen mit Schiffsbezug integriert. Meine Identität und inhaltlichen Schwerpunkte sollten allerdings unbedingt bleiben, das war ich schon mir selbst schuldig. Und genau das scheint funktioniert zu haben.
Live im Theater und in die Kabinen
Eine zusätzliche Besonderheit: Der Vortrag wurde live in die Kabinen übertragen. Das heißt, ich sprach nicht nur zu den Menschen im Theater, sondern auch zu jenen, die gemütlich im Bademantel vor dem Bildschirm saßen. Ein zusätzlicher dramaturgischer Gedanke, den man auf einer »normalen« Bühne eher nicht hat.
Das Team, angefangen von einem sehr witzigen, schlagfertigen und auch extrem wertschätzenden Kreuzfahrtdirektor, der auch alle Moderationen übernahm, bis zur Technik-Crew aus Italien und Spanien, war hochprofessionell. Der Soundcheck minutiös. Alle freundlich, herzlich, präzise. Arbeiten auf sehr hohem Niveau, das muss man sagen. Vielleicht haben auch meine österreichischen Mitbringsel in Form von Mozartkugeln XXL zum Erfolg der Zusammenarbeit beigetragen.
Feedback in Echtzeit
Nach dem ersten Vortrag kam der Cruise Director, vulgo Entertainment-Manager, direkt zu mir. Sein Fazit: »Wow, damit haben wir nicht gerechnet.« Noch spannender: Die aufgezeichnete Show wurde sofort nach Berlin in die Zentrale geschickt, inklusive Feedback von Regie, Team und anderen Verantwortlichen. Schneller geht Rückmeldung kaum. Und glücklicherweise war sie durchwegs sehr positiv.
Das machte die weiteren Auftritte leichter, auch wenn dieses mulmige Gefühl kurz vor Beginn blieb. Der Saal füllt sich eben erst auf den letzten Metern.
Konkurrenz, Kulinarik und ein schwankender Boden
Was man ebenfalls nicht unterschätzen darf: Man konkurriert. Parallel finden andere Shows statt, kleinere Auftritte, Live-Musik, und natürlich locken die zahlreichen Restaurants. Meine Vorträge begannen einmal am Nachmittag um 15:00 und zweimal um 20:15 Uhr, also zur klassischen »Jetzt-essen-oder-Show?«-Zeit. Auch das gehört zur Dramaturgie auf See: Nach dem Vortrag ist vor dem Vortrag. Bewerbung am Schluss der Speech für die nächste ist kein Fehler!
Und dann wäre da noch das Meer selbst. Es nimmt keine Rücksicht auf Auftrittszeiten. Bei einem Vortrag war es etwas rauer, das Schiff schwankte spürbar. Ich schwankte mit, bin ja kooperativ! Und nein: Das hatte nichts mit Alkohol zu tun. Auch das ist eine neue Erfahrung: performen auf bewegtem Untergrund.
Mein Learning: Eine spannende Bühne mit eigenen Gesetzen
Wenn man als Vortragender auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten möchte, braucht es aus meiner Sicht eine andere Dramaturgie. Man muss von null auf hundert da sein. Die Menschen von der ersten Sekunde erreichen, berühren, unterhalten. Sofort! Der Entertainment-Faktor ist noch stärker zu gewichten als an Land. Erfahrung und Professionalität, Flexibilität und Spontanität helfen enorm, um mit Unwägbarkeiten souverän umzugehen.
Hat es Spaß gemacht? Enorm.
Wird das meine gesamte Vortragswelt ersetzen? Nein.
Ist es eine wunderbare Ergänzung? Absolut.
Die nächste Kreuzfahrt ist bereits fixiert: Im November 2026 geht es in die Karibik. Und vielleicht gibt es noch einen weiteren Auftritt im Sommer, die Zeichen stehen gut.
Bis dahin bleibt die Erkenntnis: Echter, herzerfrischender Humor funktioniert überall. Aber auf hoher See gelten andere Regeln. Und genau das macht es so spannend.




