Fahrräder statt Firmenwagen: Warum das Dienstrad für Unternehmen zum strategischen Erfolgsfaktor wird.
Herr Moll, Sie sind seit Kurzem Geschäftsführer von Firmenradl – was reizt Sie persönlich an dieser Aufgabe?
Mich reizt die Kombination aus sinnvoller Mobilität, echter Mitarbeiterbegeisterung und einem Markt, der gerade erst beginnt, sein Potenzial auszuschöpfen. Fahrradleasing verbindet wirtschaftliche Vernunft mit einem erlebbaren Mehrwert für Mitarbeiter. Dass wir als Unternehmen bereits über 3 500 Partnerbetriebe betreuen und mehr als 30 000 Räder im Umlauf haben, zeigt, welches Momentum hier entsteht, und ich möchte diese Entwicklung aktiv weiterbeschleunigen.
Sie bringen viel Erfahrung aus dem Sportfachhandel mit – wie beeinflusst das Ihren Zugang zu nachhaltiger Mobilität im Unternehmenskontext?
Der Sportfachhandel lehrt, wie stark Menschen auf Qualität, Beratung und Vertrauen reagieren. Genau das braucht es im Dienstradleasing ebenfalls: ein hochwertiges Produkt, ein reibungsloser Ablauf und Sicherheit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Nähe zu Händlernetzwerken und Produkttrends hilft mir, Firmenradl so auszurichten, dass wir weiterhin das breiteste Angebot und die beste Servicequalität am Markt bieten können.
Was ist Ihre Vision für Firmenradl in den kommenden Jahren – in einem zunehmend dynamischen Marktumfeld?
Meine Vision ist klar: Wir wollen Dienstradleasing in Österreich zum Standard-Benefit machen, der so selbstverständlich ist wie Essenszuschüsse oder Weiterbildungsangebote. Unser Ziel ist, dass jeder Arbeitnehmer Zugang zu einem Firmenrad hat. Wachstum, Digitalisierung und ein noch stärkerer Fokus auf Service werden die Treiber sein.
Fahrradleasing ist heute in vielen Unternehmen fixer Bestandteil der HR-Strategie. Wo steht der Markt in Österreich aktuell – und wohin entwickelt er sich?
Wir sehen ein stetiges Wachstum und über 36 000 geleaste Bikes in nur vier Jahren sprechen für sich. Der Markt professionalisiert sich, das Bewusstsein steigt, und HR erkennt Fahrradleasing zunehmend als strategischen Hebel für Gesundheit, Employer Branding und ESG. Das Potenzial ist dennoch längst nicht ausgeschöpft: Jeder zweite Arbeitsweg in Österreich wäre laut VCÖ ideal fürs Rad. Unternehmen beginnen jetzt, dieses Potenzial aktiv zu nutzen.
Welche Zielgruppen oder Branchen sehen Sie aktuell besonders offen für Fahrradleasing – und wo liegt noch ungenutztes Potenzial?
Produzierende Betriebe, Logistik, Industrie, Lebensmittelunternehmen sowie wissensbasierte Dienstleister sind besonders interessiert an Fahrradleasing. Stark im Kommen ist auch der öffentliche Dienst, wo erste Bundesländer das Modell bereits ermöglichen. Grundsätzlich ist Dienstradleasing jedoch für jede Unternehmensgröße geeignet, vom EPU bis zum Großkonzern. Ungenutztes Potenzial liegt daher weniger in der Größe eines Unternehmens, sondern vor allem im Bewusstsein, welche Wirkung ein solches Benefit entfalten kann.
Wie reagieren Unternehmen auf Themen wie Preissteigerungen, Nachhaltigkeit oder Fachkräftemangel – und welche Rolle spielt Firmenradl dabei?
Viele Betriebe suchen Benefits ohne Budgetbelastung und genau das bietet Dienstradleasing. Gleichzeitig reduzieren Unternehmen CO2-Emissionen und stärken ihre Arbeitgebermarke. Wir unterstützen sie mit einem schlanken, digitalen Prozess, einer starken Versicherungslösung und mit einem flächendeckenden Netz von fast 1 000 Radhändlern in ganz Österreich.
Firmenradl gilt als besonders serviceorientiert. Was sind aktuell Ihre wichtigsten Weiterentwicklungen?
Wir investieren in digitale Prozesse, damit HR-Teams maximal entlastet werden.
So gibt es für Verträge, die ab Februar 2026 neu abgeschlossen werden, eine automatisierte Schadensstrecke. Ausfallschäden können dann direkt über das Arbeitgeber-Portal gemeldet werden.
Mit 1. Februar kommt ein neuer Versicherungspartner ins Spiel. Welche konkreten Verbesserungen ergeben sich dadurch für Leasingnehmer?
Der Versicherungswechsel bringt vor allem mehr Einfachheit, Flexibilität und Sicherheit. Temporäre wie dauerhafte Ausfälle können künftig direkt über das Arbeitgeberportal gemeldet werden – das beschleunigt Prozesse und ist ein wichtiger Schritt in Richtung weiterer Digitalisierung. Für Mitarbeiter erhöht sich der Spielraum deutlich: Der maximal versicherbare Kaufpreis steigt von 15.000 auf 25.000 Euro, wodurch auch hochwertige E-Bikes oder Lastenräder attraktiv werden. Die Mobilitätsgarantie wird erweitert und setzt auf Geldleistungen, etwa für Leihrad, Taxi oder selbst organisierten Transport. Zudem wurde der Umfang der versicherten Schäden erweitert und der Ausfallschutz klarer sowie umfassender zugunsten von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite geregelt.
Was raten Sie HR-Verantwortlichen, die Dienstradleasing erstmals in Erwägung ziehen – worauf sollten sie achten?
Wesentlich ist ein sauberer Projektstart: Alle relevanten internen Stellen – HR, Payroll, Controlling, Führungsteam – sollten frühzeitig eingebunden werden, damit der Prozess später reibungslos läuft. Unternehmen profitieren zudem stark von Anbietern, die nicht nur die Leasingabwicklung stemmen, sondern auch bei der internen Einführung unterstützen. Dazu zählen klare Informationsmaterialien, gut strukturierte Infotermine für Mitarbeitende sowie Unterstützung bei der Kommunikation. Wie wir aus vielen Projekten wissen, entscheidet eine verständliche, praxisnahe Einführung darüber, wie gut ein Benefit angenommen wird.
Wie können Firmen das Leasingangebot konkret für Employer Branding und Mitarbeiterbindung nutzen?
Das Firmenrad ist ein Benefit, der emotional wirkt. Es erhöht die Lebensqualität, spart Geld und fördert Gesundheit. Unternehmen kommunizieren das bereits in Stellenanzeigen, beim Onboarding oder über interne Gesundheitsinitiativen. Arbeitgeber, die Dienstradleasing aktiv nutzen, berichten von merkbarer Begeisterung und das stärkt Bindung und Weiterempfehlung.
Welche Rückmeldungen erhalten Sie aus HR-Abteilungen – gerade hinsichtlich administrativer Abläufe oder Krankheitsausfällen?
Die Rückmeldungen fallen durchwegs sehr gut aus, auch wenn sie nicht immer exakt messbar sind. Unternehmen heben besonders die unkomplizierte administrative Abwicklung hervor, und auch die Wirkung auf die Mitarbeitenden ist deutlich erkennbar. Viele berichten von sinkenden Krankenständen, höherer Fitness und einem gestärkten Teamklima – etwa durch gemeinsame Radtouren oder Pendelgruppen.
Firmenradl sieht sich auch als Beitrag zu ESG-Strategien. Wie gelingt die Integration in Nachhaltigkeitsziele konkret?
Dienstradleasing ermöglicht CO2-Reduktion ohne Infrastrukturinvestitionen. Unternehmen können messbare Emissionseinsparungen in ihre ESG-Berichte integrieren. Zudem fördert das Modell soziale Nachhaltigkeit, weil es Gesundheit stärkt und allen Mitarbeitenden offensteht.
Wenn wir in einem Jahr wieder miteinander sprechen – woran möchten Sie gemessen werden?
Ich möchte daran gemessen werden, wie viele Unternehmen und Arbeitnehmer wir zusätzlich für nachhaltige Mobilität begeistern konnten. Wenn wir geschafft haben, Dienstradleasing weiter zu verbreiten, neue Zielgruppen zu erschließen und gleichzeitig unseren Serviceanspruch zu halten oder sogar zu steigern, dann war es ein gutes Jahr.







