Mehr Orientierung als Optimismus

Was die steigende Langzeitarbeitslosigkeit über den Wandel unserer Arbeitswelt verrät.

Seit Mai 2023 ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Österreich um rund 38 % gestiegen. Bei Akademikern wächst die Arbeitslosigkeit um etwa zehn Prozent, bei Menschen über 55 um fünf, und die durchschnittliche Suchdauer zieht sich immer länger. Das ist ein Signal, dass sich die Spielregeln am Arbeitsmarkt verschieben. Viele Organisationen arbeiten intensiv an Transformation, Digitalisierung und Fachkräftesicherung. Eine Frage bleibt dabei oft im Schatten: Wie verändern sich Karrieren in einer Arbeitswelt, in der Unsicherheit zum Dauerzustand geworden ist?

Career Mobility

Lange galt beruflicher Wandel als Übergang von einer Position in die nächste. Dieses Bild greift zu kurz. Erfolgreiche Karrieren entstehen selten durch den perfekten Lebenslauf. Sie entstehen durch die Fähigkeit, sich fortlaufend weiterzuentwickeln. Genau das meint Career Mobility: Menschen erweitern ihre Fähigkeiten laufend, eignen sich neue Technologien an und positionieren sich beweglich in einem Markt, der sich dreht. Ein Beispiel aus unserer Arbeit: Ein 57-jähriger Vertriebsleiter, jahrzehntelang auf klassische Außendienststeuerung spezialisiert, verlor nach einer Umstrukturierung seinen Anschluss. In wenigen Monaten baute er Kompetenzen in datengestützter Vertriebssteuerung auf und wechselte in eine Rolle, die es zwei Jahre zuvor noch nicht gegeben hatte. Es geht dabei um mehr als Weiterbildung. Entscheidend wird, die eigenen Kompetenzen realistisch einzuschätzen, Entwicklungen früh zu erkennen und Veränderung selbst in die Hand zu nehmen.

Führung heißt Orientierung geben

Auch die Rolle von Führungskräften verändert sich. In vielen Unternehmen erleben Mitarbeiter Veränderungen anders als das Management. Während strategische Ziele häufig klar formuliert sind, fehlt im Arbeitsalltag oft die konkrete Übersetzung. Was bedeutet die Veränderung für meine Aufgabe? Welche Kompetenzen brauche ich künftig? Welche Perspektive habe ich im Unternehmen? Gerade in Veränderungsprozessen suchen Menschen nicht nach perfekten Antworten. Sie brauchen nachvollziehbare Entscheidungen, Transparenz und einen glaubwürdigen Umgang mit Unsicherheit. Führung bedeutet deshalb zunehmend, Orientierung zu geben, Perspektiven aufzuzeigen und Entwicklung zu ermöglichen.

Karriere als gemeinsame Aufgabe

Die klassische Trennung zwischen Personalentwicklung, Führung und individueller Karriereplanung löst sich zunehmend auf. Wer Beschäftigungsfähigkeit sichern will, muss alle drei zusammendenken. Aus unserer Beratungspraxis zeigen sich dabei drei Faktoren, die besonders wichtig sind: eine ehrliche Standortbestimmung der eigenen Kompetenzen, der gezielte Einsatz digitaler und KI-gestützter Möglichkeiten für die berufliche Entwicklung und die Bereitschaft, Verantwortung für die eigene Laufbahn zu übernehmen. Denn Beschäftigungsfähigkeit entsteht heute nicht mehr allein aus Erfahrung oder Qualifikation. Sie entsteht aus Lernfähigkeit, Anpassungsbereitschaft und der Fähigkeit, den eigenen Mehrwert sichtbar zu machen.

Fazit

Die steigende Langzeitarbeitslosigkeit ist mehr als eine arbeitsmarktpolitische Kennzahl. Sie zeigt, dass sich Karriere neu definiert. Unternehmen sind gefordert, Veränderung professionell zu begleiten und Führung weiterzudenken, Fach- und Führungskräfte, ihre Entwicklung so aktiv zu gestalten wie nie zuvor.

Einladung zum HR-Dialog Business Breakfast

Wann: 23. September 2026, 8.30 bis 10.30 Uhr
Wo: The Social Hub, 1020 Wien
Anmeldungen: mkollegger@lhhaustria.at
www.lhhaustria.at