Dominanz und Territorialität

Das Ausüben von Einfluss, Macht oder Kontrolle über andere signalisieren wir Homo sapiens mittels Dominanzsignalen. Wie das aussieht, lesen Sie in diesem Artikel.

Ursprünglich kommen diese Signale von offensiv-aggressiven Bewegungsmustern. Diese Muster zeigten und zeigen wir Menschen seit jeher im Rahmen von Fight-or-Flight-Antworten auf Bedrohungen. In Summe geht es darum, stärker, bedrohlicher und größer zu wirken. Dafür sorgen Bereiche im Gehirn, die es evolutionär zumindest seit den Reptilien gibt und die fixe Programme ablaufen lassen, wenn es darum geht, Dominanz zu signalisieren. Aufrichten, groß machen, imponieren – diese Bewegungsmuster laufen auch heute bei uns modernen Menschen noch ab.
Wir signalisieren Dominanz, in dem wir die Augenbrauen heben und damit unserem gesamten Gesichtsausdruck mehr Intensität verleihen. Wie ein Aufblitzen heben sich die Augenbrauen kurz und verstärken damit die anderen Signale, die über die Lider, Lippen und Kiefer gesendet werden. Gerade beim Anschaffen, beim Austeilen von Befehlen, unterstützen wir unsere Wünsche durch kurzes Brauenheben.
Wir signalisieren Dominanz weiters dadurch, dass wir die Hände in die Hüften stemmen, die Daumen sind dabei hinten am Rücken. So nimmt der Körper mehr Raum ein, beeindruckt dadurch und signalisiert, dass er für einen nächsten Schritt bereit ist – was auch immer der sein mag. Wir Menschen setzen diese Pose auch dann ein, wenn wir jemanden bedrohen oder disziplinieren wollen. Ist der Daumen dabei jedoch vorne und die Finger hinten am Rücken, so wirkt die Pose nicht mehr entsprechend dominant. Der berühmte Verhaltensbiologe Desmond Morris hat beobachtet, dass Spitzensportler die Hände dann in die Hüften stemmen, wenn sie gerade einen wichtigen Punkt oder gar einen gesamten Bewerb verloren haben. Auf den Philippinen und in Malaysia wird diese Pose dann gezeigt, wenn man gerade vor Wut kocht. Dominanz zeigt sich aber auch ganz deutlich durch das Heben des Kopfes und Vorschieben des Unterkiefers. Oft wird dies von verächtlichen Signalen begleitet, wie zum Beispiel das einseitige, leichte Heben der Oberlippe, das einseitige Heben einer Augenbraue und das leichte Schließen der Lider. Das klassische Dominanzsignal schlechthin sind jene Handbewegungen, die wir von oben nach unten, mit den Handflächen nach unten gedreht, durchführen. Dieses rhythmische Pumpen unterstreicht die eigenen Wichtigkeit und signalisiert, dass man das, was man sagt, auch gerne entsprechend umgesetzt hätte.

Das sichtbare Einnehmen von mehr Raum als notwendig ist ebenso klares Dominanzverhalten. Es geht um Territorialität. Wir stehen breitbeinig, brauchen beim Gestikulieren viel Raum um uns, verschränken die Hände am Hinterkopf und zeigen raumgreifende, langsame Bewegungen. Heranwachsende junge Männer empfinden dies als »cooles« Verhalten. Aber Territorialität zeigt sich auch dann, wenn Menschen sich im öffentlichen Raum so verhalten, dass ein sich Nähern nur schwer möglich ist. Die Botschaft entspricht genau dem Resultat: Nähere Dich nicht! Ich mag das nicht! Typisches Verhalten ist hier Belegen vom freien Nachbarsitz in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Dazu dient meist eine Tasche. Oder man setzt sich gleich so hin, dass Mitmenschen erst gar nicht zum freien Sitzplatz hingelangen können, ohne einen zum Aufstehen auffordern zu müssen. Schaut man dann noch böse drein, so wird dies kaum einer wagen. Und wieder hat man mehr Platz beansprucht, als einem zusteht. Auch reservieren Menschen gerne im Restaurant einen Tisch für vier Personen, wissend, dass sie nur zu zweit sein werden. Aber sie fordern diesen Platz für sich ein. Hunde heben das Bein, Menschen markieren ihr Revier mit Gegenständen. Der Kampf um Raum ist tief in uns verankert. Evolutionär bedeutet ein hoher Status, dass man dadurch einen besseren Ressourcenzugang bekommt.

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Gastautor
Gregor Fauma
ist Verhaltensbiologe,
Autor und
Keynote-Speaker.
www.gregorfauma.com

 

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