Lernen passiert im Berufsalltag

Weiterbildung steht vor einem radikalen Wandel: Warum klassische Seminare nicht mehr ausreichen und was heute wirklich zählt.

Weiterbildung war lange Zeit klar definiert: ein Seminarraum, ein Trainer, ein Lehrgang nach Plan. Doch diese Art von Weiterbildung passt nicht mehr in eine Arbeitswelt, die sich permanent verändert. Heute geht es nicht mehr darum, ob gelernt wird, sondern um messbare Ergebnisse und Wirksamkeit. Elisabeth Hofstätter-Kollarich im Interview über aktuelle Lernformate und was wirksame Weiterbildung heute braucht.

Es passiert viel im Bereich Weiterbildung. Was hat sich in den letzten Jahren verändert?

Elisabeth Hofstätter-Kollarich: Sehr viel! Früher war Weiterbildung oft ein punktuelles Ereignis: Mitarbeiter besuchen ein Seminar und gehen mit dem neuen Wissen zurück in den Arbeitsalltag. Der Fokus lag stark auf dem formalen Wissensaufbau im Sinne einer theoretischen Grundlage, und weniger auf der wirklich relevanten Fragestellung der praktischen Umsetzung. Heute funktioniert das so nicht mehr, denn die Arbeitswelt verändert sich laufend, neue und vor allem komplexere Anforderungen entstehen ständig. Nur mit Wissen ohne die Klarheit, wie es angewandt wird, ist Training nicht mehr zeitgemäß – vor allem deshalb, weil die digitale Welt Wissen liberalisiert hat und somit Theorie für alle und jederzeit zugänglich ist. Mitarbeiter und Führungskräfte müssen unabhängig von ihrer Abteilung und Rolle Probleme lösen und anpassungsfähig sein. Das erfordert Übung, Reflexion und Austausch. Lernen muss daher kontinuierlich stattfinden und noch viel stärker als bisher in den hektischen Alltag integriert werden – eine Challenge sowohl für Unternehmen als auch für Arbeitnehmende.

Was treibt diese Entwicklung stark voran?

Vor allem die Geschwindigkeit der Veränderungen. Digitalisierung, neue Technologien, aber auch immer mehr regulatorische Anforderungen, etwa in Bereichen wie Qualitätsmanagement, Nachhaltigkeit oder KI, erfordern laufend neues Wissen aus der Praxis. Gleichzeitig steigt der Druck auf Unternehmen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Und auch Mitarbeiter erwarten heute, dass sie sich weiterentwickeln können. Wissensvorsprung und technologisches Know-how sind also längst ein strategischer Faktor geworden, der künftig auch maßgeblich über Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit entscheiden wird. Das sehen wir in vielen Branchen wie z.B. im Automotive-Bereich, wo heimische Unternehmen im globalen Wettbewerb ums Überleben kämpfen.

Was braucht es, um das Management von Weiterbildungsmaßnahmen zu überzeugen?

Weiterbildung muss heute messbaren Nutzen und Wirkung bringen. Inhalte müssen praxisnah, sofort anwendbar und auf die jeweilige Branche abgestimmt sein. Gleichzeitig sollen die Formate flexibel und integrierbar sein. Für Mitarbeiter soll Weiterbildung heute schnell verfügbar sein, konkrete Probleme lösen und gleichzeitig Perspektiven eröffnen. Viele wollen sich gezielt weiterentwickeln, aber ohne lange Ausfallzeiten oder starre Programme. Formate wie Educational Stacking oder E-Learning kommen diesen Bedürfnissen sehr entgegen. Sie ermöglichen es, individuell und in kleinen Schritten voranzukommen. Was Entscheider nicht vergessen dürfen: Auch wenn die Wirtschaftslage aktuell schwierig ist, leben Unternehmen von der täglichen Leistung ihrer Mitarbeiter. Diese bleiben länger im Unternehmen, wenn sie Entwicklungsmöglichkeiten sehen. Sie sind es, die Innovation vorantreiben und Daten, Kunden sowie Aufträge managen. Weiterbildung ist also nicht nur ein Instrument zur Qualifizierung, sondern auch ein wichtiger Faktor für Motivation, langfristige Bindung und letztendlich den wirtschaftlichen Erfolg.

Das heißt für Unternehmen – trotz knapper Ressourcen auf Weiterbildung setzen?

Genau. Denn klassische Seminare, die einmal im Jahr besucht werden, reichen leider nicht mehr aus. Sie sind weiterhin wichtig, aber sie sind nur mehr ein Teil eines kontinuierlichen Wissensaufbaus. Heute sprechen wir von Lernökosystemen. Das bedeutet: Unternehmen kombinieren unterschiedliche Formate: Präsenztrainings, virtuelle Seminare, E-Learnings oder modulare Lehrgänge, die man sich in Form von Educational Stacking selbst zusammenbauen kann. Der große Vorteil ist, dass Lernen dadurch viel flexibler wird und trotz vollem Terminkalender integriert werden kann. Mitarbeiter können sich Wissen genau dann aneignen, wenn sie es brauchen – und vor allem zu Spezialthemen, die sie im beruflichen Alltag wirklich weiterbringen.

Das klingt nach vielen Anforderungen. Wie bringt man das unter einen Hut?

Mit dem richtigen Partner natürlich. Bei Quality Austria Academy erfüllen wir genau diese Bedürfnisse: Wir bieten nicht nur Trainings an, sondern durchdachte Lernkonzepte. Unser Portfolio reicht von kompakten E-Learnings über modulare Lehrgänge bis hin zu international anerkannten, also akkreditierten Zertifikaten. Dabei achten wir besonders auf Praxisnähe und Flexibilität. Außerdem bieten wir auch Inhousetrainings in den Unternehmen selbst – hier kann eine ganze Abteilung geschult werden, ohne Wegzeiten und zusätzliche externe Kosten. Unser Ziel ist es, Wissen dort aufzubauen, wo es gebraucht wird: Direkt in den Unternehmen und sofort anwendbar.

Sie haben »Educational Stacking« erwähnt. Was steckt genau dahinter?

Educational Stacking ist im Grunde ein Baukastensystem für individuelle Weiterbildung. Statt eines klassischen Lehrgangsformats gibt es einzelne Module, die aufeinander aufbauen und flexibel kombiniert werden können. So entsteht Schritt für Schritt eine Qualifikation – angepasst an den individuellen Bedarf. Das passt sehr gut zu heutigen Karrierewegen, die oft nicht mehr linear verlaufen. Menschen entwickeln sich in unterschiedliche Richtungen, übernehmen neue Rollen; genau das muss Weiterbildung abbilden. Ein Beispiel dafür ist unsere Lehrgangsreihe »ESG & Nachhaltigkeitsmanager«. Hier können Teilnehmer ihre Kompetenzen modular aufbauen und gezielt vertiefen, indem sie entweder nur einzelne Module besuchen oder ihren selbst zusammengestellten Weg zum Gesamtzertifikat gehen. Der Lehrgang bietet sowohl für Personen im Nachhaltigkeitsbereich als auch für Personalverantwortliche und Juristen interessante Trainings und mehr.

Welche Rolle spielt E-Learning in diesem Zusammenhang?

E-Learning hat sich inzwischen von einem Zusatzangebot zu einem zentralen Bestandteil der Weiterbildung entwickelt. Der große Vorteil liegt in der Flexibilität: Lernen ist orts- und zeitunabhängig möglich. Gleichzeitig lassen sich Inhalte sehr kompakt und praxisnah aufbereiten. Wir sehen, dass gerade kurze, fokussierte Formate besonders gut funktionieren. Ein Beispiel ist unser E-Learning »So geht FMEA: Fehler vorhersehen, Qualität sichern!«. In kurzer Zeit bekommt man einen fundierten Überblick über eine zentrale Methode im Qualitätsmanagement. Oder auch »Basiswissen ISO 15189:2022«, das speziell für Labore relevantes Know-how effizient vermittelt. Das sind Formate, die unmittelbar buchbar und ganz nach Wunsch sehr individuell konsumierbar sind.

Abschließend: Wie sieht für Sie die Zukunft des Lernens aus?

Sie wird noch stärker modular, digital und individuell sein. Lernen wird sich weiter in den Arbeitsalltag integrieren und stärker an konkreten Anforderungen orientieren müssen. Unternehmen werden zunehmend Lernökosysteme aufbauen, statt auf Einzelmaßnahmen zu setzen. Und für Mitarbeiter wird es immer einfacher, ihre Kompetenzen gezielt und flexibel weiterzuentwickeln. Am Ende gilt: Wer heute in die eigenen Mitarbeitenden und Führungskräfte investiert, ist künftig resilient aufgestellt und hat gezielte Fähigkeiten parat, um neue Herausforderungen schnell zu meistern.

Danke für das Gespräch.