Präsentationen im Wandel

Was sich alles im Bereich von (Produkt-)Präsentationen in den letzten Jahren getan hat, erfuhr TRAiNiNG im Gespräch mit dem Experten Schien Ninan.

Welche neuen Technologien gibt es für Präsentationen?

Aktuelles Hype-Thema Nr. 1 ist ganz klar das Metaverse. Für alle, die das noch nicht kennen, bitte ganz schnell »Metaverse Zuckerberg« auf Youtube suchen und das Video ansehen.

Verraten Sie uns trotzdem schnell, was es ist?

Das ist ein virtueller Raum, in dem man nicht alleine ist, sondern mit anderen realen Menschen interagiert! Dank der virtuellen Welt, in der Sie mit einer Virtual Reality (VR)-Brille frei um sich sehen können, fühlt sich das Zusammentreffen mit anderen Menschen »greifbarer« an. Sie sehen die anderen also nicht wie in einem Onlinemeeting statisch nebeneinander auf Ihrem Bildschirm, sondern Sie sehen sie in einem Raum »stehen« und können sich ihnen nähern. Das erzeugt ein komplett anderes Erlebnis.

Ich kenne VR bisher vor allem von Computerspielen, macht das auch für Unternehmen Sinn?

Ja, definitiv. Aber Achtung, hier kommt der Hype ins Spiel. Es ergibt nur in wenigen Fällen wirklich Sinn! Ich kenne ein Industrieunternehmen, das große Anlagen baut. Diese Anlagen kann der Verkauf schwerlich zu einem Kundentermin mitnehmen. Früher musste die Kundschaft also für eine Demo eingeflogen werden oder es gab beim Kunden eine PowerPoint-Präsentation mit schönen Bildern. Heute schicken sie dem Kunden vorab eine VR-Brille und begeben sich zum Termin gemeinsam in einen virtuellen Raum, in dem die Anlage virtuell nachgebaut »steht«. Die Anlage wird jetzt also virtuell präsentiert, Verkäufer und Käufer begehen quasi nebeneinander die Anlage – das ergibt Sinn!

Und das funktioniert heute schon wirklich gut?

Ja, aber nur dann, wenn die Anlage perfekt präsentiert und das Gespräch gut geführt wird. Für Profis, die jahrelang persönlich kommuniziert haben, ist die virtuelle Welt eine Herausforderung – die müssen »Meta« erst lernen! Nur weil der Termin virtuell stattfindet, heißt das nicht, dass die Gesprächspartner überzeugt sind.

Wann ergibt VR keinen Sinn?

Immer dann, wenn es zu lang wird und immer dann, wenn Sie es nicht interaktiv anlegen. Der schlimmste Fall ist eine langatmige Präsentation. Die wird in der virtuellen Welt auch nicht besser! Und eine virtuelle Weihnachtsfeier ist zwar nett gemeint, aber spätestens nach 40 Minuten, wollen Sie keine VR-Brille mehr tragen. Leider braucht es für VR noch immer ein klobiges Headset, und leider erinnern die Avatare, also die virtuellen Abbildungen der Menschen, optisch noch eher an die Zeichnungen meiner 8-jährigen Zwillinge.

Welche anderen Technologien sehen Sie im Kommen?

Spannend werden sicher 3D-Hologramme sein. Damit das richtig gut funktioniert, ist die Technologie dahinter allerdings noch sehr aufwändig. Die schwedische Popband ABBA hat dafür eine eigene Arena in London gebaut, die absolut beeindruckend ist (bitte wieder auf Youtube ansehen!). Durch den enormen technischen und finanziellen Aufwand wird es bestimmt noch etwas dauern, bis Hologramme für den Businesseinsatz relevant sind.

Und was können Firmen bereits heute umsetzen?

Corona-Hausaufgaben nicht nur mit einem »Genügend«, sondern mit einem »Sehr gut« abschließen. Viele denken, sie beherrschen online und hybride Kommunikation bereits. Was ich aber in unseren Trainings und Kundenterminen erlebe, ist schon oftmals knapp am »Nicht genügend«.

Was genau meinen Sie damit?

Manager, die mir ihre Nasenhaare präsentieren, weil die Kamera noch immer nicht auf Augenhöhe ist! Vertriebsmitarbeiter, die es nicht schaffen, auch online eine persönliche Beziehung zum Kunden aufzubauen und gleich mit langatmigem Monolog starten! Kein Wunder, dass viele Menschen Online-Meetings satt haben oder einfach während dieser Meetings etwas anderes nebenher machen.

Das heißt, mit der Technologie steigen auch die Anforderungen an die Mitarbeiter?

Genau. Die Anforderungen sind jetzt nach innen und nach außen andere. Ein Vertriebsleiter muss jetzt in der Lage sein, seine Mitarbeiter remote zu führen und die Kundschaft sowohl online, hybrid als auch in Präsenz zu überzeugen. Der Schlüssel dafür sind ausgezeichnete Kommunikations-Skills und Know-how im Umgang mit den unterschiedlichen Tools.

Welche Skills sind das?

Durch das Fehlen der 3. Dimension werden rhetorische Skills wie Körpersprache, Stimme und die Fähigkeit, auf den Punkt zu kommen, noch wichtiger. Die persönliche Präsenz müssen Sie deutlich spürbarer ausdrücken, wenn Sie nur zwei Dimensionen zur Verfügung haben. Auch Storytelling wird in online und hybriden Settings wichtiger, weil die Aufmerksamkeitsspanne kürzer ist. Wenn Sie zudem Tools und Techniken kennen, um die Online-Teilnehmer aktiv einzubinden, wird es ebenfalls einfacher.

Aber den Umgang mit der Technik haben in den letzten Jahren schon viele gut gelernt, oder?

 
Ja, definitiv. Die Lernkurve war gerade zu Beginn sehr steil. Nur habe ich den Eindruck, viele haben zu früh aufgehört, weiter zu lernen. Heute können bereits alle MS-Teams bedienen, aber wie viele kennen und nutzen die Spotlight-Funktion, die meiner Meinung nach unabdingbar ist! Wie viele wissen, wie sie ein Meeting interaktiv führen? Eine ausgeklügelte Technik ist das eine, der richtige Umgang mit der Technik ist aber etwas anderes.

Welche Skills braucht es für Remote-Führung?

Gerade wenn Menschen sich persönlich weniger begegnen, wird die Kommunikation wichtiger. Wie können Sie wertschätzend Feedback geben und wie schaffen Sie es, im wöchentlichen Online-Jour-fixe die Mannschaft auf eine Richtung einzuschwören? Dazu braucht es wirklich gute Kommunikationsskills, es muss deutlich mehr explizit ausgesprochen werden. Ich habe aktuell den Eindruck, dass in hybride Meetingräume investiert wird, aber nicht in die Entwicklung der hybriden Kommunikationsfähigkeiten der Mitarbeiter.

Haben Sie ein Beispiel für unsere Leser?

Ja, leider viele. Kürzlich habe ich ein Unternehmen besucht, die hatten ein Microsoft Surface Hub 2S, das kostet 25.000,– €, im Raum. Das Meeting war trotzdem grottenschlecht. Keine Zielorientierung, keine Dialogführung, die Online-Teilnehmer hatten die Kamera ausgeschaltet. Um den Preis des Surface Hubs hätten wir eine 3-monatige Learning Journey mit allen Meetingteilnehmern machen können und ich sage, das Meeting hätte dann nur halb so lang gedauert und es wäre doppelt so viel dabei rausgekommen!

Wie kann neue Technologie bei der Weiterbildung sinnvoll eingesetzt werden?

Dank der Online-Technologien und unserer Streaming-Studios können internationale Teams jetzt deutlich einfacher und sehr wirksam gemeinsam geschult werden. Zudem ist der Mix aus Präsenz- und Onlinemodulen schon wirklich stark. Wir setzen seit Covid nach Präsenzeinheiten, die in der Gruppe stattfinden, individuelle Coachingeinheiten ein, die online für alle leichter durchführbar sind. Durch diesen Mix können Mitarbeiter über Monate hinweg begleitet und weiterentwickelt werden.

Das heißt, Online-Einheiten ermöglichen eine einfachere und längere Begleitung?

Genau, aber bitte einen möglichst guten Mix finden. Viele Unternehmen erkennen gerade jetzt, wo Mitarbeiter schwer zu finden sind, wie wichtig es ist, sie persönlich über einen längeren Zeitraum weiterzuentwickeln – da helfen Online-Maßnahmen. Diese Art der Begleitung stärkt auch die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen. Wir entwickeln aktuell für einige Unternehmen mehrjährige Weiterbildungsprogramme, die aus mehreren Learning Journeys bestehen. In jeder dieser Journeys setzen wir unterschiedliche Technologien und Methoden ein. Damit lassen sich die vielfältigen Anforderungen, von denen wir vorhin gesprochen haben, auch erfolgreich Stück für Stück abdecken. Mitarbeiter merken, das Unternehmen investiert langfristig in sie und das wiederum steigert nicht nur ihre persönlichen Fähigkeiten, sondern auch ihre Zufriedenheit.

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Schien-Ninan

Schien Ninan
ist Geschäftsführer von HPS Training und Experte für (virtuelle)
Präsentationen.
www.hps-training.com