Skype und Co für Online-Meetings

Videokonferenzen und Online-Coaching erleben in Zeiten der Coronakrise einen enormen Zuwachs. Dabei muss jedoch einiges beherzigt werden.

Gerade jetzt werden unzählige Experten online in den Medien interviewt. Nicht selten erlebt man hier als Zuseher eine unglaublich laienhafte Vorgehensweise. Für viele sind Medien wie Skype im professionellen Umgang neu. (Skype steht synonym auch für alle anderen Videokonferenzlösungen.) Auch für das Online-Lernen und für Online-Coaching wird ­Skype derzeit häufig verwendet. Um professionell zu agieren sind einige Punkte zu beachten:

1. Der größte Unterschied zur Präsenz: Es fehlt die spürbare Stimmung im Raum. Manche Kanäle, die geübte Coaches gewohnt sind, sind nicht oder stark reduziert vorhanden. Beachten Sie umso mehr die Mimik und Körpersprache Ihres Gegenübers, um diesen Verlust auszugleichen. Vor allem, wenn man jemanden zuvor nicht persönlich kennengelernt hat, kann es etwas länger dauern, sich näher zu kommen.

2. Achten Sie auf den Hintergrund: Waren Sie bei Interviews bisher im Studio oder im Büro zu sehen oder als Trainer/Coach im Seminarraum, so erhaschen im Setting von zu Hause die Teilnehmer/Klienten einen Blick in Ihren privaten Lebensraum. Und der ist Teil Ihres Images und vor allem Teil Ihrer Expertise – wir können visuelle Eindrücke nun mal schwer vom Inhalt trennen. Wählen Sie also Ihren Hintergrund mit Bedacht. »Will ich in diesem Umfeld gesehen werden?« lautet die Checkfrage. Dazu gehört, dass auch die Ausleuchtung gut sein sollte.

3. Ein spezieller Fall ist die Sitzhöhe im Verhältnis zur Webcam. Bei TV-Interviews ist die Kamera immer auf Kopfhöhe. Webcams stehen immer niederer, vor allem bei Laptops. Stellen Sie also Ihren Laptop auf ein Podest (eine Kiste, einen Stapel Papier), damit Sie nicht von unten gefilmt werden.

4. Achten Sie auf den guten Ton – verwenden Sie allenfalls ein externes Mikrofon. Hier gilt wie immer: Das probiert man nicht live aus, sondern in Ruhe davor. Es gehört ein wenig Experimentieren dazu, um die beste Qualität zu finden, aber auch, um selber gut arbeiten zu können. Das kann ein Headset oder der Lautsprecher mit einem externen Mikrofon sein.

5. Für Interviews gilt: Da Sie niemanden unmittelbar gegenüber haben, fehlt direktes Feedback, ob man Sie unterbrechen möchte, weil Sie z. B. zu lange sprechen. Die feinen Signale, die Moderatoren senden, gehen möglicherweise unter – aus technischen Gründen (Retourprogramm, Zeitverzögerung, Ton) und wegen der fehlenden körperlichen Anwesenheit. Deshalb brauchen Sie enorme Selbstdisziplin, was die Länge Ihrer Antworten betrifft. Diese sind üblicherweise bei einer Länge von ca. 30 Sekunden passend, gerne mal kürzer, falls nicht mehr zu sagen ist, länger selten – da muss der Inhalt schon bombastisch relevant und packend sein.

6. Die Kameraeinstellung wird durch das Setting bestimmt. Man sieht Sie etwa in der Porträtaufnahme (also Mitte der Oberarme). Dabei sollten Sie keine großartige Links-Rechts Bewegung zeigen. Das ist beim Zusehen mühsam.

7. Die Tatsache der fehlenden Rückmeldung sorgt für eine gewisse Einsamkeit vor der Kamera. Manche neigen deshalb dazu, in unnatürlicher Sprache zu sprechen. Es entsteht ein wenig der Sound der Flugbegleiterin bei den Sicherheitshinweisen. Sprechen Sie bitte wie ein normaler Mensch.

8. Halten Sie eine Blickachse für einige Sekunden. Das ist schwer, weil Sie keinem Menschen in die Augen sehen. Ihre Blickachse ist die Kamera. Da langer Blickkontakt für uns schwer ist, kann der Blick dann auch kurz mal auf den Bildschirm oder seitlich gehen, z. B. wenn Sie einen Gedanken aufnehmen. Aber bitte vermeiden Sie einen »schwankenden«, unsteten Blick.

9. Bei Skype lässt sich der Hintergrund weichzeichnen. Experimentieren Sie vor Ihrem Interview damit, ob das besser aussieht.

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Gastautor
Georg Wawschinek
ist Coach für Medien- und Redeauftritte.
www.wawschinek.at