In die Untätigkeit gedrängt

Veränderungen sind meist mit Personalentscheidungen verbunden, welche ein -Umdenken, Neuorientieren und ein Sich-Öffnen für mögliche ausgefallene Wege erfordern.

Menschen, die Organisationen leiten, haben eine besondere Verantwortung für ihre Mitarbeiter. Oft ist es schwierig, neben dem Tagesgeschäft und der Bewältigung wirtschaftlicher Herausforderungen ein klares Bewusstsein für den wirklichen Zustand des Unternehmens zu entwickeln, oder sich diesen einzugestehen. Aufgrund dessen werden immer wieder anstehende, strategisch wichtige Entscheidungsmomente übersehen, die für gewöhnlich auch mit Personalentscheidungen zu tun haben.

Wenn Druck zu Schmerz wird

Warum bleiben diese Augenblicke oft unbeachtet? Hier gehen Nichtwissen, Angst, Bequemlichkeit und die uns allen bekannte Einstellung »Das haben wir immer schon so gemacht, und so machen wir es weiter!« eine unerfreuliche Verbindung ein. Diese wiederum lädt eine bevorstehende Veränderung im Unternehmen so sehr auf, dass sie oft erst dann durchgeführt wird, wenn der Druck – sei es wirtschaftlich oder organisational – zu groß wird. Wer kennt das nicht von sich selbst oder zumindest von Bekannten, dass die Entscheidung für eine einschneidende berufliche Veränderung ewig lang vor sich hergeschoben wird, vergleichbar mit einem Zahnarzttermin, der erst dann festgelegt wird, wenn die Schmerzen unerträglich sind?

Heraklit von Ephesos meinte dereinst: »Nichts ist von Bestand, außer der Veränderung!« Wir alle verändern uns täglich – manchmal unbewusst, aber es geschieht. Daher verspricht ein aktiver Veränderungsprozess als Reaktion auf modifizierte Rahmenbedingungen, in der Form einer rechtzeitigen und richtigen Adaptierung der Struktur, Erfolg und Weiterentwicklung. Den ersten Schritt in Richtung der Umgestaltung spüren die Betroffenen oft als Erleichterung, als ein Wieder-durchatmen-Können.

Teamzusammensetzung

Kommen wir nun zu den Personalentscheidungen zurück, die häufig mit einer Umgestaltung einhergehen. Es kann durchaus sein, dass man sich von dem einen oder anderen Mitarbeiter trennen muss – oder zumindest das Bewusstsein entwickelt, dass dies ein wichtiger Schritt wäre. Die noch interessanteren Fragen sind: Wen braucht die Struktur? Wer passt mit wem am besten zusammen?

Zweifellos entscheidet die Teamzusammensetzung über Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens. Ist nun, den Klischees in der Öffentlichkeit entsprechend, jung, formbar, bescheiden und vor allem billig gut – und nur das zählt? Während 50+ zwar erfahrungsreich, aber dafür langsam, unmotiviert, viel zu teuer und unkündbar ist? Oder sollte man bei der Zusammensetzung des Teams auch auf eine ausgewogene und bedarfsgerechte Mischung der Kompetenzen achten?

Laut Statistik Austria (2. Quartal 2015) sind von den 254 100 arbeitslosen Menschen in Österreich 61 200 im Alter zwischen 45 und 54 Jahren (24,08 %) und 22 200 im Alter zwischen 55 und 64 Jahren (8,73 %) – das sind immerhin 83 400 Personen, die ein Potenzial in sich tragen, das es wert ist, näher betrachtet zu werden.

Irene Galler schreibt unter anderem in ihrem Artikel »Gehören Menschen ab 50 in unserer Arbeitswelt schon zum alten Eisen?«: »Immer mehr Menschen in der Lebensmitte spüren dieses schlafende Potenzial, das plötzlich aufwacht und folgen dann ihrem inneren Ruf. Sie orientieren sich neu, starten beruflich ganz neu durch. Sie haben eine Vision, ein Ziel vor Augen und dadurch werden ungeheure Energieressourcen aktiviert.«

Auch der Blick über den Tellerrand zeigt uns, was alles möglich ist, wenngleich die Systeme nie ganz vergleichbar sind: Während es Österreich laut Eurostat  bis 2014 gerade mal geschafft hat, die Erwerbstätigenquote in der Altersklasse zwischen 55 bis 64 Jahre auf 45,1 % zu heben, betrug diese in Schweden schon 74 % (!). Wenn es gelingt, Beschäftigte länger im Erwerbsleben zu halten (und im Laufe des Berufslebens verstärkt einzusetzen wie insbesondere Frauen nach Karenzen), so erhöht dies automatisch das Bruttoinlandsprodukt und wir können damit unsere alternde Gesellschaft besser finanzieren. Abgesehen davon, dass dies immer mehr eine Frage der Notwendigkeit wird, stellt sich nur mehr die Frage: »Wie lange verzichten Österreichs Unternehmen noch auf dieses riesige Potenzial?«

Generation 50+

Die Generation 50+ ist freier denn je. Sie verfügt im »best Case« über:

vertiefte Lebenserfahrung in vielen Bereichen

enormes Wissen und die Bereitschaft dieses weiterzugeben

Gelassenheit und Ruhe

viele Ressourcen, um unterschiedlichste Problemlösungsstrategien zu entwickeln

die Reife einer Persönlichkeit, die weiß was sie will

Effizienz & Routine

Verantwortungsbewusstsein

ein Denken in größeren Zusammenhängen

die Fähigkeit der Selbstmotivation und -reflexion

ein gutes soziales Netzwerk

etc.

Es wird auf Dauer wohl kein Weg daran vorbeiführen, das Pensionssystem insofern abzuändern, als nicht mehr Letztbezüge oder beste Jahre als Grundlage für die Berechnung der Pensionshöhe herangezogen werden, sondern das Lebenseinkommen bzw. jene zu belohnen, die länger arbeiten als andere. Dies sind politisch zu treffende Entscheidungen mit einem maßgeblichen Lenkungseffekt. Nach dem Motto »Weg vom Zwang – hin zum Anreiz« steckt in jedem einzelnen Unternehmen meist ungeheures Potenzial darin, für Menschen Arbeitssituationen zu schaffen, die herausfordernd sind, Freude machen und Sinn geben, anstatt zu überfordern, zu frustrieren und abzustumpfen. In einigen Betrieben wird dies wohl eine Art Kulturwandel erfordern, wovor man sich aber nicht zu fürchten braucht: Es profitieren auf Dauer alle davon!

Eine kluge Personalpolitik verbunden mit der Bereitschaft für – auch kleine – Änderungen, Personaldienstleister mit einem guten Verständnis für Menschen und ihre Bedürfnisse und der Impuls, jetzt (!) damit zu beginnen, sind die Grundlage für diese neue Art des Miteinander-Arbeitens.

Was diese Menschen für Unternehmen derzeit noch attraktiver macht, sind öffentliche Förderungen z. B. vom Arbeitsmarktservice Österreich oder der Wirtschaftskammer Österreich. Das sind eine ganze Menge Gründe, die zum Umdenken anregen können, was zukünftige Personalentscheidungen betrifft.

Lassen wir aber nicht außer Acht, dass es überwiegend die Vielfalt und die ausgewogene Teamzusammensetzung sind, die das einzigartige Wesen einer Organisation ausmachen. Ein Miteinander aller Generationen, die sich in Wertschätzung, Bereicherung und in regem Austausch allen Veränderungen stellen können, weil sie sich perfekt ergänzen.

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Peter Schäfer_028 (c) bright light photography Kopie

Gastautor

Peter Schäfer

ist -Gründer
und Entwickler von
-Transformationsmanager.

www.transformationsmanager.at

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Gastautor

Jürgen Atzlsdorfer

ist Geschäftsführer der Firma Dopeg GmbH und Experte im Personalwesen.

www.dopeg.at