Projekt-Mitarbeiter nachhaltig entwickeln

In diesem Artikel werden unterschiedlich Weiterbildungsformate untersucht und ein neues Konzept für die Weiterbildung von PM-Mitarbeitern vorgestellt.

Als Projektmanagement-Trainer und Berater spreche ich aus Erfahrung: Ein Training wird nicht helfen, Ihre Projektarbeit erfolgreich durchzuführen. Wie ich darauf komme? Ganz einfach. Ein Training findet auf der grünen Wiese statt und vermittelt theoretisches Wissen. Das ist auch gut so und auch wichtig für die individuelle Weiterbildung von Mitarbeitern. Gerade im Hinblick auf Prüfungen und Zertifizierungen, ist ein Training ein wichtiger Baustein.
Doch um das Wissen in den Projektalltag zu übertragen, benötigt es eine Begleitung nach dem Training. Hierzu gibt es unterschiedliche Ansätze, die ich in diesem Artikel vorstellen möchte. Zum Schluss möchte ich ein Schulungskonzept vorstellen, das sich leicht auf alle Trainings übertragen lässt. Ich habe das Konzept selbst für eine Product-Owner-Ausbildung angewandt und daran entwickelt.
Doch wagen wir zunächst gemeinsam einen Blick auf die unterschiedlichen Weiterbildungsformate. Es gibt: Training, Workshop, Online-Training, On-the-Job-Training. Jedes dieser Formate hat unterschiedliche Ausprägungen. Die Online-Trainings/E-Learnings zum Beispiel gibt es manchmal mit Begleitung während der Durchführung, sind meistens allerdings als Selbstlernkurs aufgebaut. Jedes Format hat seine Vor- und Nachteile. Der größte Nachteil, den alle Formate gemeinsam haben, ist: Es findet kein nachhaltiger Praxistransfer statt!

Weiterbildungsformate im Vergleich

Nach einem Training oder einem Workshop werden die Teilnehmer vom Trainer allein gelassen. Eine Übernahme in den Alltag gelingt nur selten. In meinen Trainings biete ich den Kursteilnehmern immer an, mich bei Fragen auch im Nachgang zu kontaktieren. Dieser Service ist allerdings freiwillig und wird von Unternehmen nur selten auch beauftragt.

Weiterbildungsformat: Training
Das Erlernen der Basics geht am besten über ein Training. Das kann in Form eines interaktiven Trainings oder auch mit Hilfe von Power­Point erfolgen. Didaktisch stehen hier viele Möglichkeiten bereit. Doch wenn die Theorie in die Praxis übernommen werden soll, dann ist ein Training nicht ausreichend. Zu selten sind Trainings an die Teilnehmer-Bedürfnisse und den Herausforderungen aus der Praxis ausgelegt.
Nachteile beim Training:
Generelles Grundlagentraining häufig ohne direkten Praxisbezug
Nur teilweise Übernahme in die Praxis möglich
Fixiertes Thema und wenig Handlungsspielraum bei der Durchführung

Weiterbildungsformat: Workshop
Im Gegensatz zu einem Training, ist die Interaktion im Workshop im absoluten Mittelpunkt des Geschehens. Es wird gemeinsam gearbeitet und die Theorie direkt in Praxisbeispiele übernommen. Die Vermittlung von Theorie ist dabei nachgelagert, wenn auch immer noch Bestandteil. Workshops eignen sich sehr gut dafür, die Praxis direkt in die Theorie zu überführen. Doch hier gibt es oftmals einen Haken: der Praxisbezug wurde hergestellt. Doch nach dem Workshop wird nicht mehr weiter daran gearbeitet. Und die Theorie geht schnell wieder verloren. Zudem sind Workshops meistens sehr vollgepackt und finden an einem oder zwei Tagen geballt statt, so dass nur ein Teil davon auch richtig in die Praxis überführt werden kann.
Nachteile beim Workshop:
Nach dem Workshop wird das Erlernte häufig nicht mehr reflektiert.
Nur ein Teil wird langfristig in die Praxis übernommen.
Themen werden meist vorher abgesprochen und der Workshop bewegt sich nur in diesem Rahmen.

Weiterbildungsformat: Online-Training
Bei einem Online-Training stehen Videos und Lernmaterial on-demand zur Verfügung. Die Lerninhalte können jederzeit wieder hervorgeholt und auf die Praxis angewandt werden. Oftmals werden Online-Trainings mit Aufgaben verbunden, die eine Übernahme in die Praxis ermöglichen. Gegenüber den einmalig stattfindenden Trainings bieten sie einige Vorteile.
Nachteile des Online-Trainings:
Lerninhalte sind fest definiert und fixiert.
Oftmals ist kein oder nur sporadischer Austausch mit anderen Lernenden möglich.
Häufig ist keine Rücksprache mit Trainern möglich.
Praxistransfer ist nur schwer umsetzbar, da Feedback fehlt.
Erfordert hohe Eigendisziplin, um das Online-Training bis zum Ende durchzuführen.
Keine Möglichkeit für die Trainer, auf spezielle Fragen oder Wünsche einzugehen.

Weiterbildungsformat: On-the-Job-Training
Beim sogenannten On-the-Job-Training wird eine Person 1:1 begleitet und bekommt das Methodentraining genau dann, wann sie es benötigt. Als Weiterbildungsformat stellt das On-the-Job-Training einen sehr mächtigen Rahmen bereit. Es kann individuell auf die Person eingegangen und das Training punktgenau angesetzt werden. Das On-the-Job-Training kann auch sehr gut mit Trainings oder Workshops kombiniert werden, um einen größtmöglichen Nutzen aus der Weiterbildung zu ziehen.

Faktoren erfolgreicher Weiterbildung

Damit das Gelernte langfristig behalten und in der Praxis angewandt werden kann, muss es didaktisch gut aufbereitet sein. Zudem muss eine intrinsische Motivation bei den Teilnehmern vorhanden sein, die Lerninhalte auszuprobieren und in der eigenen Arbeit anzuwenden. Nicht zuletzt müssen die Lerninhalte eine Relevanz zu den benötigten Kenntnissen in der Arbeit aufweisen. Dieser Mix gelingt am besten, in dem Trainer auf ihre Teilnehmer eingehen und die Lerninhalte an deren Bedürfnissen ausrichten. Zudem sollten die Trainingseinheiten nicht zu lange dauern und dennoch lange genug, um Praxisfragen zu erörtern. Ein Austausch zwischen den Teilnehmern untereinander ist genauso wichtig wie die Chance, Rückfragen und Verständnisfragen an die Trainer stellen zu können.

Das Weiterbildungskonzept für nachhaltige Schulungen

Im Rahmen der Erarbeitung der Product-­Owner-Ausbildung habe ich die unterschiedlichen Weiterbildungsformate miteinander kombiniert. Explizit für Product Owner gibt es in der ­advitago academy ein spezielles Weiterbildungsprogramm. Bei dem Programm handelt es sich um eine Reihe von kurzen und passgenauen Workshops, 1:1-Betreuung und der Bereitstellung von weiterführenden Trainingsmaterialien in Form von Checkliste, Videos und Audios. Die Vorteile von Workshops, On-the-Job-Training und Online-Training werden hierbei kombiniert. Das Programm richtet sich primär an Product Owner, die Projekte leiten und sich nicht auf den Scrum Guide verlassen wollen/können. Das Konzept kann auch für andere Lern-Gebiete angewandt werden. Es eignet sich also auch für interne Ausbildungsprogramme.

Bestandteile des Konzepts
Das Weiterbildungskonzept besteht aus 3 Säulen:

  • 1:1-Austausch
  • Kleingruppenaustausch
  • Arbeitsmaterialien

Der Ablauf sieht wie folgt aus:

  • Individuelle Zielklärung mit den Beteiligten
  • 5 moderierte Workshops in Kleingruppen (max. 5 Personen)
  • Zwischen den Terminen 1:1-Coaching
  • Bereitstellung von weiterführenden Trainingsmaterialien
  • Individuelles Abschlussgespräch

Je nach Themenfeld könnte die Ausbildungsdauer und somit die Anzahl der Workshops auch erhöht werden. Ein Workshop dauert dabei in etwa 2 Stunden. In diesen Live-Workshops werden Praxisbeispiele in Kleingruppen erarbeitet. Die Theorie-Trainings werden auf einen On-demand-Teil ausgelagert, der jederzeit angesehen und wiederholt werden kann. Es finden zudem Live-Workshops statt, bei denen an aktuellen Praxisbeispielen gearbeitet wird. Diese Workshops werden in Kleingruppen durchgeführt, um in einem geschützten Raum den Austausch zwischen den Teilnehmern zu ermöglichen. Abgerundet wird das Weiterbildungskonzept durch eine 1:1-Beratung mit den Teilnehmern. So können die Lerninhalte passgenau auf die Praxisfragen ausgerichtet und nachhaltig vermittelt werden.

Fazit
Alle Weiterbildungsformate haben ihre Daseinsberechtigung. Bei der Auswahl des geeigneten Formats sollten die Bedürfnisse und Vorkenntnisse der Mitarbeiter berücksichtigt werden. Zudem ist in vielen Fällen eine Kombination aus unterschiedlichen Weiterbildungsformaten nützlich, um einen möglichst hohen Praxistransfer zu ermöglichen.

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Gastautor
Patric Eid
ist Projektmanagement Trainer & Berater.
advitago.com