Weiterbildung in Österreich

Jedes Jahr stellen wir in der Oktober-Ausgabe aktuelle Studienergebnisse über die Weiterbildungslandschaft vor.

Für diesen Artikel haben wir uns einerseits das »Weiterbildungsbarometer 2023« des WIFI Österreich angesehen und andererseits die »Weiterbildungsstudie 2023« der Plattform für berufsbezogene Erwachsenenbildung ­(MAKAM Research 2023), die heuer bereits zum 15. Mal durchgeführt wurde. Ergänzend werfen wir einen kurzen Blick in die Benchmarkstudie von PINKTUM »L&D Trendradar«, die im DACH-Raum erhoben wurde.
Die jährliche IMAS-Studie »Weiterbildungsbarometer«, durchgeführt im Auftrag des WIFI der Wirtschaftskammer Österreich, untersucht die Bedeutung und Umsetzung beruflicher Weiterbildungen aus der Perspektive von Unternehmen und Arbeitnehmern. Für diese Studie wurden rund 300 Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeiter im Zeitraum Mai-Juni 2023 befragt, sowie 1 028 persönliche Interviews repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren geführt.

Fachkräftemangel als Motivation

Der Mangel an Fachkräften ist nach wie vor ein zentrales Anliegen am Arbeitsmarkt, welches auch Auswirkungen auf die berufliche Weiterbildung haben könnte. In Österreichs Wirtschaft wird die Qualifizierung der Mitarbeiter hochgeschätzt. Das »WIFI Weiterbildungsbarometer 2023« zeigt, dass 83 % der Unternehmer die Weiterbildung als wichtig oder sehr wichtig erachten. (Im Vergleich zu 91 % im Jahr 2022). Trotz finanzieller Herausforderungen beabsichtigen 18 % der Unternehmen, dieses Jahr mehr in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter zu investieren als in den Vorjahren. Bei den Mitarbeitern zeigt sich folgendes Bild: Tatsächlich stufen mehr als die Hälfte (55 %) der Mitarbeiter lebensbegleitendes Lernen als »sehr wichtig« ein. An der praktischen Umsetzung scheitert es jedoch vielfach. Nur ein knappes Drittel (31 %) konnte das Weiterbildungsvorhaben auch konkret in die Tat umsetzen. Am häufigsten werden von den Erwerbstätigen Kosten, Zeit und Vereinbarkeit als herausfordernd genannt.
Die Weiterbildungsstudie der Plattform für Erwachsenenbildung (Stichprobengröße = 400  Unternehmen im Zeitraum Februar, März 2023) kommt zum gleichen Ergebnis, wenn auch die Zahlen etwas anders ausfallen: Die Studie zeigt, dass Weiterbildung in Zeiten von Fachkräftemangel eine hohe Priorität hat, wobei in mehr als der Hälfte der Unternehmen (54 %) Weiterbildung in den kommenden Jahren größere Bedeutung einnehmen wird als bisher. 46 % sehen die Wertigkeit zumindest gleichbleibend. Mehr als jedes dritte Unternehmen (35 %) hat, laut dieser Umfrage, im Budget für 2023 mehr Mittel für Weiterbildung berücksichtigt als im Jahr 2022; 6 von 10 planen zumindest in der gleichen Größenordnung wie im Vorjahr, in das eigene Personal zu investieren.
Fragt man nach dem Ausmaß an Bildung, so ergibt sich laut der Weiterbildungsstudie folgendes Ergebnis: »Während Mitarbeiter ohne Führungsfunktion und Arbeiter durchschnittlich 3 Tage an Weiterbildungen erhalten, sind es für Führungskräfte und auch Lehrlinge (sofern vorhanden) im Schnitt 5 Tage pro Jahr für Aus-, Fort- und Weiterbildung.«

Relevante Themen

Die Plattform für Erwachsenenbildung hat in ihrer Studie im Frühling 2023 auch die Themenbereiche der Weiterbildung abgefragt: Persönlichkeitsentwicklung (40 %), Informatik- & EDV-Anwendungen (38 %) und Technik & Produktion (36 %) bleiben die TOP 3 der wichtigsten Weiterbildungsmaßnahmen. IT-Skills (62 %), Future Technologies/Green Jobs (46 %) und Resilienz (46 %) sind jene Weiterbildungsthemen, die am stärksten an Bedeutung in den nächsten Jahren gewinnen. Am häufigsten stagnierend (53 %) bzw. in deren Bedeutung rückläufig (10 %) werden Maßnahmen zum Thema Remote Leadership genannt. Weiterbildungen im Bereich der zertifizierten Kompetenzen werden im Vergleich zum Vorjahr wichtiger.
Bei der WIFI-Studie haben sich folgende Themen gezeigt: »Die mit Abstand wichtigsten Fortbildungsthemen sind aus Sicht der Unternehmer die Bereiche IT und Digitalisierung (65 %) sowie Technik (62 %). Gleich dahinter folgen Qualitätsmanagement (61 %), Nachhaltigkeit/Green Skills (56 %) und Innovation/digitale Transformation (55 %).  Auch Rechnungswesen (52 %) und Gesundheit (50 %) sind sehr gefragt.«

Lernformate

Seit 2020 Online-Seminare einen wahren Boom hingelegt haben, sind diese nicht mehr aus dem Weiterbildungsangebot wegzudenken. Doch nicht jeder schwört auf diese Art der Wissensvermittlung.

Beide Studien kommen zum gleichen Ergebnis:
Der Trend geht zu Präsenztrainings. »Während rein digitale und hybride Lehr-/Lernformen, auf die insgesamt rund 40 % der geplanten Weiterbildungsmaßnahmen entfallen, ihre Bedeutung auf Vorjahresniveau halten, werden reine Präsenztrainings (57 % aller geplanten Maßnahmen) im Vergleich zum Vorjahr (53 %) wichtiger«, fand die Weiterbildungsstudie 2023 der Plattform für Erwachsenenbildung heraus.

Die WIFI-Studie sagt: Die Hälfte aller Unternehmen und Mitarbeiter betrachten das Präsenz-Seminar als die effektivste Methode der Weiterbildung. Während 12 % der Arbeitnehmer Online-Kursangeboten positiv gegenüberstehen, tun dies nur 6 % der Unternehmen. Interessanterweise ziehen 39 % der Unternehmen eine hybride Form vor, im Gegensatz zu 21 % der Arbeitnehmer.

KI in der Weiterbildung

Die Plattform für berufsbezogene Erwachsenenbildung hat sich auch dem Thema KI gewidmet: Die Meinungen über Künstliche Intelligenz (KI) sind unter den Befragten geteilt. Während einige KI als Chance zur Optimierung bestehender Arbeitsprozesse sehen, befürchten andere eine Entfremdung und Entmenschlichung durch ihre Anwendung. Es gibt Bedenken, dass KI Arbeitsplätze verdrängen könnte, was zur Folge hätte, dass viele Mitarbeiter ihre Stellen verlieren. Einige glauben, dass KI in ihrem spezifischen Bereich nicht praktikabel oder für ihr Unternehmen ungeeignet ist.
Dagegen stehen Befragte, die KI optimistisch betrachten. Sie betonen die Wichtigkeit von Innovationen und sind der Ansicht, dass technologischer Fortschritt in der Vergangenheit oft zum Vorteil der Menschheit war. Sie sehen in Veränderungen stets eine Gelegenheit und argumentieren, dass Unternehmen angesichts des demografischen Wandels und des Mangels an Fachkräften Unterstützung durch solche Technologien benötigen. Einige sind sogar überzeugt, dass KI helfen könnte, den Fachkräftemangel zu mildern, indem sie die Funktionen von Fachkräften übernimmt.

Die PINKTUM-Studie hat im DACH-Raum nach den fünf wichtigsten Trends in der Personalentwicklung in den kommenden 3 – 5 Jahren gefragt. Die Ergebnisse:
Einsatz von Künstlicher Intelligenz (71,6 %)
Individualisiertes Lernen (67,3 %)
Adaptives Lernen (54 %)
Kompetenzentwicklung (51,6 %)
Kollaboratives Lernen (49,1 %)

Die Einsatzmöglichkeiten von KI in der Weiterbildung sind derzeit noch wenig bekannt. Derzeit verwenden, laut dieser Umfrage erst 17,4 % der Unternehmen KI-Tools in der Weiterbildung, rund 21 % planen bereits eine Anschaffung. Ein Drittel hat sich noch gar nicht mit dem Thema auseinandergesetzt.

Neue Schubkraft zur Weiterbildung

»Der Schlüssel, um in Zeiten des Arbeits- und Fachkräftemangels als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, ist eindeutig: Weiterbildung«, macht Markus Raml (Kurator des WIFI Österreich) bei der Studienpräsentation deutlich. »Wir brauchen eine anhaltend hohe Bereitschaft zu Fortbildungen gerade in Zeiten des Rekord-Fachkräftemangels – alles andere wäre ein Alarmsignal für eine weitere Zuspitzung der Personalsituation. Ein staatlich finanziertes Bildungskonto für alle Erwerbstätigen sowie die Aufstockung der Fördermittel könnten der beruflichen Weiterbildung gerade jetzt die benötigte Schubkraft verleihen«, so Raml.
Laut Umfrage würden 81 % der Erwerbstätigen und 77 % der Unternehmer die Aufstockung staatlicher Förderungen für Weiterbildung begrüßen. Ein staatlich finanziertes Bildungskonto würden 74 % der Erwerbstätigen und 79 % der Unternehmen in Anspruch nehmen.

»Als führender Blended-Learning-Anbieter in Österreich sehen wir diese Studienergebnisse als klaren Auftrag, die WIFI-Bildungsangebote noch stärker an die Bedürfnisse der Mitarbeiter und ihrer Unternehmen anzupassen«, sagt Tatjana Baborek (Institutsleitung WIFI Österreich) abschließend.

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Weiterbildungsstudie 2023 der Plattform berufsbezogener Erwachsenenbildung:
https://plattform-erwachsenenbildung.at/weiterbildungsstudie

Weiterbildungsbaromter 2023 des WIFI Österreich:
www.wifi.at/ueber-uns/news/pa_fachkraeftemangel_herausforderung_fuer_weiterbi

Benchmarking Studie 2023 L&D Trendradar:
www.pinktum.com/de/leitfaeden/