Der Einsatz von KI im Coaching verspricht neue Möglichkeiten, stellt Coaches aber zugleich vor zentrale Fragen zu Daten, Vertrauen und Verantwortung.
Studien zur Wirksamkeit des Einsatzes von KI im Coaching haben unterschiedliche Ergebnisse gezeigt. Zum einen haben Terblanche et al. (2022) festgestellt, dass ein AI-Chatbot, der mit einem spezifischen Modell zur Zielerreichung über einen längeren Zeitraum hinweg trainiert wurde, vergleichbare Ergebnisse erzielte wie die menschlichen Coaches, diese also durchaus ersetzt werden könnten. Auf der anderen Seite ermittelte Haase (2025), dass Coaches generative KI (GenAI) eher für die Recherche und Inhaltserstellung als für das Coaching verwenden, der Einsatz für zwischenmenschliche Aspekte derzeit noch begrenzt ist. Es wurde jedoch der Wunsch geäußert, Klienten analysieren zu können, d. h. Verhaltensanalysen, Fortschrittsanalysen, Analysen zum Einsatz von Interventionen, Entwicklung individueller Lernpfade. Coaches und eine erfolgreiche Coachingpraxis leben von hohen ethischen Standards und Vertrauen. Der Einsatz von KI als Coaches oder Coaching-Tool sollte diesen Standards entsprechen (Terblanche 2024). Bandara et al. (2025) entwickelten Bias-Kompetenzen für Organisationen, die ebenfalls Anhaltspunkte geben können, wie der Einsatz von KI im Coaching gestaltet werden kann. Terblanche et al. (2022) entwickelte Faktoren, die Vertrauen in das KI-Design herstellen können. Beides wird hier verbunden, um eine Vorgehensweise für Coaches zu bieten. Bandara et al. (2025) empfehlen drei Bereiche, auf die beim Einsatz von KI geachtet werden sollten, um Bias vorzubeugen: die verwendeten Daten, das verwendete KI-Modell und die Art und Weise des Einsatzes des KI-Tools.
Verwendung von Daten
Unvollständige und inkonsistente Daten erhöhen das Risiko für das Entstehen von Bias. Im Coaching entsteht hier die Frage, anhand welcher Datenbasis das KI-Tool arbeitet, ob es ein eigens entwickelter Bot/Agent ist, ein eingekauftes Tool oder ein unternehmensinternes System, welches zum Einsatz kommen soll.
- Vollständigkeit: Im Gegensatz zu anderen Einsatzfeldern wie Recruiting oder Leistungsbeurteilung, geht es im Coaching nicht um eine Datenbasis, anhand der Entscheidungen getroffen werden. Daher gilt hier für den Coachee nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich Daten anzugeben. Dazu könnten auch Notizen, Reflexionen, Bilder etc. gehören, die entsprechend analysiert werden können.
- Genauigkeit: KI-Modelle lernen anhand von Daten, d. h. es ist wichtig, sicherzustellen, dass ein eingesetzter KI-Bot so trainiert wird, dass er verschiedene Coachee-Gruppen, Alter, Geschlecht, Problemstellungen etc. berücksichtigt. Auf diese Art und Weise kann Verzerrungen von Ergebnissen entgegengewirkt werden. Des Weiteren ist es notwendig, die Verwendung der Daten und deren Auswahlkriterien zu dokumentieren. Damit wird die Anwendung des KI-Modells langfristig nachvollziehbar und gegebenenfalls adaptierbar.
- Form: Wenn der KI-Bot/Agent von den Coachee-Daten lernt, dann ist es unabdingbar, diese in einer nachvollziehbaren Form zu strukturieren, z.B. über Datumsangaben, Überschriften o.ä. Damit werden Fehler in den Daten für den Coach schneller sichtbar und langfristig Verzerrung, z.B. durch Doppeleintragungen, vermieden.
KI-Modell
Beim KI-Modell stellt sich die Frage, ob dieses selbst entwickelt wird oder eines eingekauft wird. Hier einige Ansätze, worauf geachtet werden könnte.
- Zuverlässigkeit: Eine zuverlässige Grundlage kann durch die Verwendung gut etablierter Tools, und/oder das Training der Daten mit gut etablierten Coaching-Modellen geschaffen werden. Des Weiteren ist es wichtig, vor der Anwendung Tests durchzuführen, indem z.B. Coaching-Fragen in leicht variierter Form angewendet werden, was zu gleichen Ergebnissen führen sollte. Auch hier ist die Dokumentation des Zweckes des Einsatzes, der Eingaben, der Erwartungen an die Ergebnisse und Grenzen des Einsatzes essenziell.
- Flexibilität: Das KI-Modell sollte für verschiedene Coachee-Gruppen anwendbar sein, z. B. junge Führungskräfte und Lehrlinge oder für unterschiedliche Themen wie Karriereentwicklung, Kommunikation oder Performance.
- Ambidexterity: Idealerweise kann das Modell sowohl bestehende Muster erkennen, als auch Neues kreieren, d. h. sowohl eher bekannte als auch kreative Entwicklungswege aufzeigen.
Einsatz durch den Coach
Der Einsatz des KI-Tools erfolgt durch den Coach oder einen KI-Coach-Anbieter (z.B. Coach Vici (www.coachvici.com/) oder Coach Aimy (www.coachhub.com/de/aimy). Dieser sollte in der Lage sein, diesen Einsatz vertrauenswürdig zu gestalten, d.h. die Kompetenz mitbringen, KI einzusetzen, KI nur zum Vorteil und Wohlbefinden des Coachees einzusetzen, sowie dessen Anliegen ernst zu nehmen und ethische Prinzipien und Coachingstandards (z. B. der International Coaching Federation, https://coachingfederation.org/resource/icf-code-of-ethics) einzuhalten.
- Kompetenz: Der Coach sollte sowohl seine eigenen Coaching-Kompetenzen pflegen und ausbauen, als auch die methodische und technische Kompetenz, das KI-Tool für den Coachee einzusetzen. Dazu gehört z. B. auch das Trainieren des KI-Tools mit einem bestimmten Modell z. B. der Zielfindung (Terblanche et al., 2022) inklusive der Einschätzung, was das eingesetzte Tool kann, wo Fehler auftreten können und wo die Grenzen des Einsatzes sind.
- Wohlwollen: Im Mittelpunkt steht der Coachee. Mit diesem ist überhaupt abzusprechen, ob ein KI-Einsatz gewünscht ist und wenn ja, in welcher Form, in welchem Umfang und zu welchem Zweck – und im Rahmen der weiteren Zusammenarbeit immer wieder abzustimmen, ob der Einsatz hilfreich ist und die Anliegen des Coachee unterstützt oder auch unterbrochen oder beendet wird.
- Integrität: Der Einsatz von KI ist mit dem Coachee abzustimmen, die Verwendung der Daten im KI-Tool sollte transparent gemacht werden, und kommuniziert werden, wie die Vertraulichkeit der Daten gewahrt wird. Für den Coachingablauf ist es hilfreich zu klären, für welchen Teil die menschliche Coach-Coachee-Beziehung im Mittelpunkt steht und wann KI-Tools eingesetzt werden. In jedem Fall sollte geregelt werden, wie damit umgegangen wird, wenn das KI-Tool in einer unerwarteten und evtl. für den Coachee negativen Weise agiert, z. B. beim Coachee Emotionen auslöst, die menschlicher Begleitung bedürfen.
Fazit
KI wird bereits im Coaching angewendet, von der eigenen Vorbereitung als Coach bis hin zum KI-Coach. Hier wird es wichtig sein, ethische Richtlinien und Coachingprinzipien zu beachten und entsprechende Kompetenzen aufzubauen.
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